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Wie wollen wir zukünftig leben?

Drei Fragen an Franziska Turber, Foresight Consultant bei der strategischen Zukunftsberatung Z_punkt in Köln.

Welche gesellschaftlichen und techno­logischen Trends werden den größten Einfluss auf die Stadtentwicklung der Zukunft nehmen und in welcher Form?

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Dabei sind Städte mehr als ökonomische Wachstumsmotoren. Sie sind Orte der Vielfalt und produktiven Reibung. In Deutschland werden bis 2030 etwa 79 % der Menschen in Städten leben. Das bringt einige Herausforderungen mit sich. Wohnraum ist in einigen Städten bereits heute für Teile der Mittelschicht nicht mehr bezahlbar. Eine weitere Herausforderung wird sein, saubere und verstärkt klimaresiliente städtische Infrastrukturen zu schaffen. Um die Herausforderungen zu meistern, brauchen wir radikal neue Zukunftsvisionen für unsere Städte, die losgelöst vom gegenwärtigen Denken funktionieren. Die zentrale Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Wie wollen wir künftig leben und wie kommen wir da hin? Die Anwendung neuer Technologien stellt hier nur einen Teil der Lösung dar.

Wie stellen wir uns eine Smart City vor?

Smart Cities existieren in den unterschiedlichsten Spielarten. Ihre Ausgestaltung hängt stark vom kulturellen Kontext und von unterschiedlichen Visionen urbanen Lebens ab. Beispiele, die unser Verständnis der Smart City wohl am nachhaltigsten geprägt haben, sind Techno-Planstädte wie Songdo in Südkorea und Masdar in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sensornetzwerke durchziehen den urbanen Raum, um den komplexen Metabolismus der Stadt zu durchdringen und Ressourcen- und Verkehrsströme steuer- und optimierbar zu machen. Dieser Smart-City-Ansatz folgt klar den ein wenig aus der Zeit gefallenen modernistischen Planungslogiken: Normung, Kontrollierbarkeit und Effizienz. Zu kurz kommt, dass es sich bei der Stadt um mehr als eine Kontrolleinheit handelt. Städte sind vielschichtige, heterogene Orte, die als solche bewahrt werden müssen. Auch in der Smart City muss Raum für Zufall, Koproduktion und kreative Entfaltung der Bürger und Bürgerinnen möglich bleiben. Städte wie Barcelona, Wien und Kopenhagen gehen da mit gutem Beispiel voran.

Laut einer Analystenstudie tun sich deutsche Städteverwaltungen aktuell schwer damit, ganzheitliche Strategien für eine Smart City auf die Beine zu stellen und sich auf Content für Leucht­turmprojekte zu einigen. Was raten Sie einer deutschen Stadt, die smart werden möchte?

Die EINE, allgemein gültige Smart-City-Strategie gibt es nicht. Hier muss sich jede Stadt in ihrer Eigentümlichkeit ernst nehmen. Was für Berlin gilt, muss nicht für Köln gelten. Smart-City-Strategien sollen vor allem als integraler Bestandteil einer ganzheitlichen, nachhaltigen Stadtentwicklungs­strategie funktionieren. Ein paar grundsätzliche Punkte gibt es aber doch:  In der jüngeren Vergangenheit haben sich Städte auf dem Weg zur Smartifizierung zu sehr von einer reinen Marktlogik leiten lassen. Um handlungsfähig zu bleiben, müssen Stadtverwaltungen als Korrektiv eingreifen. Von elementarer Bedeutung ist, dass Städte beispielsweise ihre Souveränität über (digitale) kritische Infrastrukturen wahren. Ein weiterer wichtiger Punkt bezieht sich auf den Fokus der Smart City: Wie bereits erwähnt, müssen der Mensch und seine Bedürfnisse stärker Gehör finden. Smarte Technologien sollten die Bürger befähigen, mehr am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen und es mitgestalten zu können.