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Wie Mobilitäts- und Energiemarkt
miteinander wachsen

Unter der Maßgabe der Sektorenkopplung zwischen den Branchen Energie und E-Mobilität setzt die RheinEnergie AG auf multimodale Verkehrskonzepte, die neben der Verbesserung der Ökobilanz auch für ein bequemeres Leben in und um Köln sorgen.

Umweltfreundlich, nachhaltig und sehr leise: Zwischen dem Breslauer Platz und Zollstock Südfriedhof pendeln bereits acht batterieelektrische Gelenkbusse. Bis 2030 will die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) die gesamte Flotte von rund 240 Bussen auf E-Mobilität umstellen und damit die jährlichen CO2-Emissionen um mehr als 15 600 Tonnen reduzieren. Im Vergleich: Bundesweit sind rund 55 000 öffentliche Busse unterwegs, die jährlich 4 Mio. Tonnen CO2 ausstoßen.

Maßgeblich beteiligt an der Elektrifizierung der öffentlichen Kölner Verkehrsmittel ist die RheinEnergie AG. Das regionale Energieversorgungsunternehmen stellt neben der Ladeinfrastruktur auch den betrieblichen Service für die KVB bereit.

Drei-Säulen-Konzept

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich das Unternehmen mit dem Thema Mobilität der Zukunft auseinander. Bereits 2016 gründete die RheinEnergie die Gesellschaft chargecloud GmbH, die auf internationaler Ebene ein IT-System zur Verwaltung und Abrechnung von E-Ladeinfrastrukturen privater und gewerblicher Kunden wie z. B. Supermarktketten bereitstellt. Im Jahr 2019 folgte die Gründung der TankE GmbH, eines bundesweiten Full-Service-Anbieters für Ladeinfrastruktur-Lösungen.

Insgesamt basiert das multimodale Mobilitätskonzept der RheinEnergie auf drei Säulen. Zusätzlich zu den neu gegründeten national und international agierenden Servicegesellschaften entwickelt das Unternehmen für das Kölner Stadtgebiet physische sowie digitale Elemente zur Verbesserung des Verkehrsraums unter dem Gebot der Nachhaltigkeit.

Innovative Verkehrsträger und zentrale Mobilitätsstationen

Seit Juli 2019 sind 200 E-Scooter der RheinEnergie in Köln im Einsatz. Bis Ende 2020 sollen über das Projekt „rhingo” sogar 600 Roller unkompliziert für Verkehrsteilnehmer zu mieten sein. Darüber hinaus wird das Energieversorgungsunternehmen 400 zusätzliche öffent­liche Normal- und Schnellladepunkte in Köln errichten und plant, sogenannte Mobilitätsstationen mit Ladestationen auszustatten. An diesen Hubs sollen Bürger zukünftig mehrere mit Ökostrom betriebene Verkehrsmittel vorfinden. Ein Angebot, das sich vor allem an Berufspendler richtet. Diese teilen sich in 310 000 Einpendler, die täglich nach Köln fahren, sowie 400 000 Binnenpendler, die sich innerhalb der Rheinmetropole bewegen, und 140 000 Verkehrsteilnehmer, die aus der Stadt herausfahren. Das Ziel: Die Mobilitätsstationen sollen möglichst auf solch neuralgischen Flächen entstehen, wo Pendlerströme aufgefangen und über die entsprechenden Verkehrsträger effizient zu ihren Arbeitsplätzen gebracht werden können.

Auch in der Binnenschifffahrt sorgt die RheinEnergie mit ihren Landstromstationen, die laute Dieselaggregate ersetzen, für maßgebliche Lärm- und Emissions­verringerungen.

„Die Elektromobilität ist für uns ein wichtiger Absatzkanal“, sagt Veit Robert Lorenz, Leiter Unternehmensentwicklung der Rhein­Energie. „Wir sind die Schnittstelle zwischen den Branchen Energie und E-Mobilität und können diese mit verschiedenen Lösungen bedienen.“

Dazu zählt auch die sinnvolle Vernetzung von Verkehrsteilnehmern mit -trägern. „Digitale ­Angebote wie Plattformen oder Apps bilden unsere dritte Konzeptsäule. Multimodale Verkehrskonzepte werden künftig nur funktionieren, wenn die Nutzung für den Kunden unkompliziert und einfach ist. Nur ein Ticket, online, für alle genutzten Verkehrsmittel ist dafür ein Beispiel“, erklärt Lorenz. Aber auch die effizientere, weil intelligente Parkraumbewirtschaftung und Verkehrssteuerung sind Gegenstand von Pilotprojekten der RheinEnergie.

Abbau regulatorischer Barrieren

„Damit unsere Visionen realisiert werden können, sind mehrere Voraussetzungen notwendig“, sagt Veit Robert Lorenz. Dazu zählen eine smarte Steuerung des Strombezugs, also ein intelligentes Lastmanagement, sowie die Minimierung von diversen Kostenblöcken, auch im Sinne des Endkunden. Dafür forscht das Energieversorgungsunternehmen an verschiedenen Projekten wie z. B. MuLI, einem Projekt zur Entwicklung multimodaler Lademodul-Integration, also der Bereitstellung einer Hochleistungsladeinfrastruktur für E-Busse, die von möglichst vielen weiteren E-Fahrzeugarten genutzt und damit entsprechend wirtschaftlicher betrieben werden kann. Das Energieversorgungsunternehmen arbeitet aber auch daran, die Gesamtlebensdauerkosten von Einzelkomponenten wie Batterien für E-Fahrzeuge zu reduzieren. „Wir nutzen ausrangierte Batterien aus E-Fahrzeugen und führen diese einer Second-Life-Anwendung zu“, sagt Jeff Witting von RheinEnergie.

Weitere wichtige Weichen müssen vonseiten des Gesetzgebers gestellt werden. „Uns fehlen energie­rechtliche Regelungen. Die Politik ist hier gefordert, regulatorische Barrieren abzubauen, um für Ladeinfrastrukturen eine juristische Konsistenz zu schaffen“, erläutert Jeff Witting. Auch die Eichrechtskonformität ist bisher noch nicht für alle Komponenten gegeben. „Dafür müssen Ladestationshersteller gemeinsam mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) nach Lösungen suchen“, so Veit Robert Lorenz. Ebenso, erklärt er, seien geeichte Stromzähler im Bereich Gleichstrom immer noch nicht am Markt erhältlich. „Wir geben jährlich eine siebenstellige Summe für unsere Forschungen aus, denn wir wollen die Mobilität von morgen mitgestalten und möglich machen“, schließt Lorenz ab.