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Wie ein Dorf Furore auf Facebook macht

Ein winziger Ort aus dem Schweizer Kanton Graubünden macht derzeit im Internet von sich reden. Auf der brandneuen Facebook-Seite der Gemeinde Obermutten steigen die Fanzahlen steil an. Der Grund: Das Profil jedes neuen Fans wird veröffentlicht. Nicht im Internet, sondern in der Realität – auf der Anschlagstafel der Gemeinde.

Chance auf „Einschweizerung“
Obermutten, etwa 30 Kilometer südlich von Chur gelegen, hat gerade mal 80 Einwohner. Größte Sehenswürdigkeit ist die 300 Jahre alte Reformierte Kirche, die letzte Kirche der Schweiz, die komplett aus Holz erbaut wurde. Hier passiert normalerweise nicht viel – dennoch werden inzwischen die Flächen für öffentliche Aushänge knapp. Der Grund ist eine Internet-Aktion: Als die Gemeinde Ende September ihre Facebook-Seite online stellte, gab sie bekannt, dass jeder, der sich dort per „Like“-Button als Fan registrieren lässt, mit seinem Profil auf die offizielle Obermuttener Anschlagstafel kommt. Auf diese Weise werde man Teil der Dorfgemeinschaft und quasi „eingeschweizert“.

40 mal so viele Fans wie Einwohner
Das Echo war – wie es sich in einer Gebirgsregion von über 1.800 Metern gehört – kraftvoll und unüberhörbar: Nur ein paar Tage später hatten sich schon über Tausend Menschen aus aller Welt als Fans des Dorfes am Ende der Welt geoutet. Berichte in den Medien über die Aktion lassen ihre Zahl weiter wachsen. Inzwischen (Stand: Anfang Oktober) sind es über 3.200 Fans – 40 mal so viele wie Einwohner.

Gemeinde-Anschlagbrett ist längst zu klein geworden
Gemeindepräsident Martin Wyss, der sich regelmäßig per Videobotschaft an die Facebook-Fans wendet, behält bei dem ganzen Online-Trubel die Ruhe: „Obermutten pflegt eine persönliche Beziehung zu seinen Gästen“, sagt er. „Hier zählt nicht die Masse, sondern der Einzelne. Warum sollte dies für uns nicht auch im Internet so sein?“ Darum, versichert er, werde man mit dem Aushängen der Fan-Profile weitermachen. Das kommunale Anschlagbrett ist dafür allerdings längst zu klein geworden – man ist inzwischen auf die Wand einer Scheune ausgewichen.