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„Virtuelle Geldbörse“ ohne Chance?

„Mobile Payment“, das Bezahlen per Handy, wird sich in Deutschland vorläufig nicht durchsetzen, die bisherigen Prognosen auf diesem Gebiet sind viel zu optimistisch. – So lautet das ernüchternde Fazit einer Analyse von eco, dem Verband der deutschen Internetwirtschaft.

Viele funktionierende Bezahlsysteme
Als Begründung für diese Einschätzung nennt eco im Wesentlichen drei Punkte: die hiesige Vielfalt gut funktionierender Bezahlsysteme, die Skepsis der Deutschen gegenüber der „virtuellen Geldbörse“ sowie den Mangel an neuen Ideen auf Seiten der Anbieter.

Noch kein echter Zusatznutzen
„Mit Bargeld, Überweisung, Schecks, Lastschriftverfahren EC- und Kreditkarten wird ein Großteil der Bevölkerung auf absehbare Zeit keinen Bedarf an einem neuen Zahlungsmittel haben“, vermutet Dr. Bettina Horster, Leiterin der Kompetenzgruppe Mobile bei eco. Es fehle an echtem Zusatznutzen durch Mobile Payment. „Ob ich meine Karte oder mein Handy zücke, ist in der Praxis kein großer Unterschied.“

Ticket kaufen, Parkplatz finden, Schlange vermeiden
Wie Zusatznutzen aussehen könnte, skizzierte die Mobile-Expertin an einem Beispiel: „Wenn ich über eine App ein Ticket mobil kaufe und bezahle, es direkt aufs Handy erhalte, vor Veranstaltungsbeginn einen freien Parkplatz und den Weg zum Eingang mit der kürzesten Schlange angezeigt bekomme – dann hat sich das mobile Bezahlen für mich gelohnt.“

Ein „Big Player“ muss vorangehen
Die derzeitigen Angebote erhöhten hingegen nur die Abwicklungskosten, was weder von den Verbrauchern noch vom Handel akzeptiert werde. Zudem seien Fragen der Haftung bei Missbrauch noch ungeklärt. Dr. Horster vermutet, dass Deutschland im internationalen Vergleich das Schlusslicht beim Bezahlen mit dem Handy sein werde. Erst, wenn von einem „Big Player“ wie Amazon oder Google eine durchgängige Lösung angeboten werde, bestehe die Chance, dass sich Mobile Payment etablieren könne.