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So klingt Stadtgeschichte

Treppenhaus

Über Jahrhunderte waren der Rheinauhafen und die Kaianlagen ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor Kölns. Im Zuge der aktuellen Neugestaltung des Rheinauhafens wurde der städtischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Rheinlage nun ein „hörbares“ Denkmal gesetzt: Die Soundinstallation GROMA des Künstlers Michael Scholz entführt die Besucher des Rheinauhafens in die Geschichte der Architektur und der Stadt. NetCologne unterstützt das Projekt mit einem Netzanschluss sowie Webspace für die Internetseite www.groma-net.de.

LautsprecherStadtgeschichte zum Hören
Aufführungsorte der Vokal- und Klanginstallation GROMA sind die beiden gläsernen Hauptaufgänge der Tiefgarage unter dem Gelände des Rheinauhafens TR.5.02 am Harry-Blum-Platz und TR.7.02 auf dem Elisabeth-Treskow-Platz. Historische wie aktuelle städtische Entwicklungen dieses neuen Stadtviertels sind der künstlerische Ausgangspunkt für die Klangkomposition. Aus einem Audiopool (der sich auf einem Rechner befindet) werden die Vokal- und Stadtklänge ständig neu arrangiert und zur Klangprojektion gebracht. Aufgeführt werden antike Texte zur Baukultur sowie Klangaufnahmen aus ausgewählten urbanen Bereichen der Kölner Partnerstädte Lüttich und Rotterdam. Im Treppenhaus TR.5.02 werden Klänge aus Rotterdam, im Treppenhaus TR.7.02 die aus Lüttich projiziert. Die von einer Frauen- und einer Männerstimme vorgetragenen antiken Texte sind im Wechsel mit den Stadtklängen in beiden Treppenabgängen fortlaufend zu hören.

Antike Texte wiederentdeckt
Die antiken Texte stammen aus Vitruvs „Zehn Bücher über Architektur“, der einzigen zusammenhängenden Überlieferung aus der Antike zum Bauwesen, zur Ästhetik und angrenzenden Bereichen. Vitruv, der wahrscheinlich mit richtigem Namen L. Vitruvius Marmurana hieß, war Architekt und Ingenieur und lebte im 1. Jahrhundert v. Chr. in Italien. Seine Themen sind die ästhetische Ableitung des „Goldenen Schnitts“ aus dem menschlichen Maß, die Ausrichtung von Städten und die Anordnung von Gebäuden im urbanen Gefüge. Das ca. 20 v. Chr. entstandene Werk war durch seine Wiederentdeckung eine der wesentlichen inhaltlichen Grundlagen der Baukunst der Renaissance. Auch der Klassizismus des 19. Jahrhunderts und Le Corbusier im 20. Jahrhundert haben sich die Inhalte für zeitgenössische architektonische Aufgabenstellungen wieder angeeignet.

Fotos: Michael Scholz