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Schützen Sie Kinder vor App-Abzockerei

Kids im Web

Kinder oder Jugendliche gehen mit Smartphones oder Tablet-Rechnern oft wesentlich unbefangener (und versierter) um als ihre Eltern. Diese wissen, wie Studien belegt haben, oft gar nicht, was ihre Kinder genau im Netz tun. Manchmal ist ein genaueres Hinsehen jedoch ratsam, denn die Kids werden bei einigen Anwendungen bewusst online abgezockt. Und dann müssen die Eltern dafür geradestehen.

Gratis-Apps nachträglich „aufgemotzt“

Eine typische Falle: Viele Apps, die man aus dem Web laden kann, sind gratis, aber nicht alle. Manche kosten Geld, und das reicht von ein paar Cent bis hin zu beträchtlichen Summen. Kinder schauen dabei erfahrungsgemäß nicht immer so genau hin. Eine Variante sind Apps, die in ihrer Basisversion kostenlos sind, die man jedoch durch zusätzliche Funktionen oder „In-Apps“ aufmotzen kann. Besonders erfolgreich ist dieser Trick bei den beliebten Online-Games, wo man zum Beispiel virtuelle Gegenstände oder weitere Level dazukaufen kann.

24 Mio. Euro für geschädigte Eltern

Auf diese Weise läppert sich einiges zusammen. Erst kürzlich einigte sich Apple mit der US-Aufsichtsbehörde FTC über eine Entschädigung für Eltern, deren Kinder über Apps unbeabsichtigte Einkäufe gemacht hatten. Vereinbart wurde, dass Apple dafür eine Summe von umgerechnet 24 Millionen Euro zur Verfügung stellen muss.

Passwort schützt nur, wenn es keiner kennt

In App-Stores kann man in der Regel nur einkaufen, wenn man ein Passwort eingibt. Das ist allerdings keine Hürde, wenn die Kinder das Passwort kennen – oder wenn es beim Shop-Aufruf automatisch ergänzt wird, weil man es auf dem Rechner hinterlegt hat. So kann auch der eigene Nachwuchs, wenn er Zugriff auf den Rechner hat, problemlos Apps herunterladen.

Eine halbe Stunde weiter einkaufen

Doch es gibt eine weitere Sicherheitslücke. Sowohl Android- als auch iOS-Mobilgeräte haben eine Einstellung, von der viele Nutzer gar nicht wissen: Nach Eingabe des Passworts kann man noch bis zu einer halben Stunde lang weiter einkaufen, ohne es neu eingeben zu müssen. Ein gut gemeinter Service, über den aber schon einige Eltern gestolpert sind: Sie luden ein Gratisspiel für ihre Kinder, die legten sofort los – und wurden schon nach kurzer Zeit vom Programm angestiftet, ein paar In-Apps zu laden. Die allerdings nicht kostenlos waren.

Kauffunktion kann deaktiviert werden

Diese Kauffunktion lässt sich einschränken. Bei Apple-Geräten können der App-Store und/oder die In-Apps über die allgemeinen Einstellungen abgeschaltet werden. Bei Android-Geräten kann man einen zusätzlichen Passwortschutz in den Play-Store-Einstellungen einrichten. Doch generell raten Verbraucherschützer Eltern, sich ein Bild von den Online-Aktivitäten ihrer Kinder zu machen. Apps, die ihren Spieltrieb finanziell ausnutzen, sollten dann tabu sein.