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Rheinland A–Z: S wie Schäl Sick

Schielende Pferde

Logo Rheinland A-ZDieser Begriff kann im Rheinland zu Missverständnissen führen: Spricht der Kölner oder auch der Bonner von der „Schäl Sick“, so meint er die rechtsrheinischen Stadtteile wie Kalk, Deutz oder Beuel, die neidisch hinüberlinsen auf das umtriebige Stadtzentrum links des Flusses. Im benachbarten Düssseldorf hingegen liegt die City rechts des Rheins, während die „Schäl Sitt“ (im Düsseldorfer Platt) mit Nieder- und Oberkassel linksrheinisch liegt.

Schielende Pferde
Der Legende nach stammt der Begriff daher, dass früher Pferde die Rheinschiffe flussaufwärts zogen. Geblendet durch die vom Wasser reflektierten Sonnenstrahlen, „blinzelten“ oder „schielten“ sie schon nach kurzer Zeit auf ihrem dem Wasser zugewandten Auge. Auch schützende, einseitig montierte Scheuklappen werden als Ursprung des Schielens genannt. Jedenfalls betitelte man fortan die dem schielenden Auge gegenüberliegende Rheinseite als die „Schäl Sick“ – und das war meist abwertend gemeint, weil sie in den Augen vieler Städter nicht dazugehörte.

Wettbewerb um Einwohner und Betriebe
Schon zu Zeiten der Römer stellte der Rhein die Grenze zwischen dem Römischen Reich und den „barbarischen“ germanischen Stammesgebieten. Lange Zeit konkurrierte die rechte Rheinseite auch mit der Stadt um Einwohner und Betriebe. Erst in der Neuzeit und mit dem Bau der Brücken dehnte sich Köln aus und das Rechtsrheinische wurde formal ein Teil Kölns.

Sonnenseite liegt rechtsrheinisch
Heute hat die andere Rheinseite längst gleichgezogen: Bedeutende Gebäude wie die Kölnarena, die KölnMesse, der zukünftige Standort des Fernsehsenders RTL, Tanzbrunnen und Köln-Triangel stehen dort. Von der Schäl Sick – der eigentlichen Sonnenseite Kölns und Bonns – genießt man darüber hinaus immer noch den schönsten Blick auf die Altstadt.