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„Rechenzentren sind das Rückgrat des
digitalen Wandels“

Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf die Bedeutung digitaler Infrastrukturanbieter aufmerksam zu machen.

Die voranschreitende Vernetzung von Menschen, Maschinen, Autos, Geräten oder Häusern lässt die Erzeugung von Daten in den kommenden Jahren massiv ansteigen. Laut einer Studie des Analystenhauses IDC sollen 2025 weltweit rund 163 Zettabyte (das ist eine 163 mit 21 Nullen) an Daten generiert werden. Das ist mehr als zehnmal so viel wie 2016 (16 Zettabyte).

Doch wo verbleiben die ganzen Daten, von denen allein in Deutschland gemäß einer Cisco-Studie bereits in zwei Jahren zu Spitzenzeiten 172 Terabit (das ist eine 172 mit 12 Nullen) pro Sekunde übertragen werden sollen?

„Alle sprechen vom Breitbandausbau oder 5G“, sagt Alexander Rabe. „Aber schnelle Netze alleine genügen nicht. Wir benötigen auch Rechenzentren. Sie sind das Rückgrat des digitalen Wandels. Ohne sie sind weder Wachstum noch Innovationen im Bereich Künstlicher Intelligenz möglich“, erklärt der Geschäftsführer des Internetverbandes eco. „Aber leider kommen die Betreiber digitaler Infrastrukturen in der gesellschaftlichen und politischen Wahrnehmung kaum vor.“

Zu hohe Strompreise – kaum Unterstützung

Rund 50 000 Rechenzentren sind aktuell in Deutschland in Betrieb. Aber in ganz Europa werden lediglich vier Prozent aller verfügbaren Daten weltweit gehostet, ermittelte eine Studie der EU.

„Was für ein enormes Potenzial uns da verloren geht“, sagt der eco-Geschäftsführer. Deutsche Rechenzentren seien schon lange gigabitfähig, und sie gehören zu den energieeffizientesten der Welt, so Rabe weiter.

Rund 12,4 Milliarden kWh verbrauchen deutsche Rechenzentren pro Jahr, das sind etwa 2,3 Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs. Und genau hier liegt eine der großen Herausforderungen für die Betreiber von Rechenzentren. „Europa hat noch keinen funktionierenden digitalen Binnenmarkt. Die Strompreise in Deutschland sind für Rechenzentrenbetreiber einfach zu teuer“, moniert Digital-Experte Alexander Rabe. „Allein in den Niederlanden ist Strom 20 Prozent günstiger. Aber auch eine effiziente Nutzung der Abwärme von Rechenzentren verpufft bei uns im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt keine Abnahmeverpflichtung von Nah- oder Fernwärmenetzbetreibern, obwohl Digitalisierung durch solche innovativen Ideen auch die Klimaziele Deutschlands retten könnte.“

Zu wenig europäische Rechenzentren

Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland, die im Frühjahr 2018 unter dem Dach von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. ins Leben gerufen wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf die Bedeutung der Branche digitaler Infrastruktur­anbieter aufmerksam zu machen und die Politik für deren Potenzial, aber auch für deren Herausforde­rungen zu sensibilisieren.

„Neben der Erarbeitung einer ganzheitlichen digitalen Strategie gehören die Fachkräfteförderung und die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen beim Bau von Rechenzentren zu den weiteren Anliegen, die wir intensiv an die Politik adressieren“, sagt Alexander Rabe.

Ziel der Allianz ist es, dass die Politik den Wirtschaftsfaktor und die Leistungsfähigkeit der Branche anerkennt. Immerhin würden jährlich mehr als acht Milliarden Euro in den Bau, die Modernisierung und die IT-Ausstattung deutscher Rechenzentren investiert. Davon hingen mehr als 200 000 Arbeitsplätze ab.

Ein positives Fallbeispiel aus der Branche sei NetCologne, lobt Rabe. „Das Kölner Unternehmen hat ein wahres Ökosystem aufgebaut. Denn NetCologne verlegt nicht nur Breitband und bietet IT-Dienstleistungen an, sondern betreibt gleichzeitig drei Rechen­zentren. Von diesem Rundum-Konzept profitiert Nordrhein-Westfalen.“

Gemeinsam beweisen die Partner der Allianz Stärke: „Wir bewegen uns in kleinen Schritten, aber sehr stetig voran. Erst kürzlich haben wir das Thema in einem persönlichen Gespräch bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vorbringen können“, sagt der eco-Geschäftsführer. Im September folgt ein netzpolitisches Forum in Berlin, auf dem die Allianz intensiv für ihre Interessen eintritt und auch der Bundesminister vor Ort sein wird.