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Mühsames Spam-Geschäft

Spam

Jeder Mailbox-Besitzer ärgert sich über Spams, die besonders lästige Internet-Variante der Postwurfsendung. Eigentlich, so sollte man meinen, dürfte inzwischen niemand mehr auf die unerwünschten Angebote hereinfallen. Dennoch werden sie weiter verschickt. In einer US-Studie wurden kürzlich die Umsätze hochge- rechnet, die damit erzielt werden – kurz bevor der größte Spam-Provider vom Netz genommen wurde.

Eine von 12,5 Millionen hat Erfolg
Tatsächlich landen Spams in den allermeisten Fällen da, wo sie hingehören, nämlich im elektronischen Papierkorb. Nach einer Untersuchung der University of California führt im Schnitt nur eine einzige von 12,5 Millionen Spam-Mails zum Erfolg. Eine verschwindend geringe Quote – dennoch, so schätzen die Macher der Studie, bringt Spamming immer noch genug ein, um sich zu lohnen. Die schiere Masse macht’s.

In ein Spam-Netz eingehackt
Die Methode, die die Forscher bei der Untersuchung anwendeten, war kaum weniger bemerkenswert als das Ergebnis: Sie klinkten sich in Hacker-Manier in das „Storm-Botnet“ ein, ein berüchtigtes Spam-Netzwerk, das von dem Internet-Trojaner „Storm“ erzeugt wird. Die Wissenschaftler sorgten dafür, dass Kaufinteressenten auf eine kontrollierte Website umgeleitet und gezählt wurden. Das Ergebnis: In einem Monat verschickten 75.000 PCs, die von Storm infiziert waren, sage und schreibe 350 Millionen Spams – und dabei kamen gerade einmal 28 Käufe zustande. Das entsprach einem Tageseinkommen von knapp 70 Euro.

5.500 Euro Abzocke pro Tag
In der Praxis kommen allerdings endrucksvollere Zahlen zustande: Die Forscher kontrollierten nach eigener Schätzung nur einen winzigen Teil des weltweiten Spam-Netzes. Nach ihren Hochrechnungen dürften über das gesamte Storm-Botnet etwa 5.500 Euro pro Tag abgezockt werden.

Spam-Provider vom Netz genommen
Ein Schlag gegen das Spammen gelang erst vor wenigen Tagen: Am 11. November wurde der amerikanische Internet-Provider McColo vom Netz getrennt – und schlagartig sank das weltweite Spam-Aufkommen (ca. 160 Milliarden Mails pro Tag) um zwei Drittel. Über die McColo-Rechner, so wird vermutet, wurde ein großer Teil der weltweiten Spam-Netzwerke kontrolliert. Ob dieser Erfolg von Dauer ist, muss jedoch abgewartet werden: Experten fürchten, dass die Spammer früher oder später andere Firmen für ihre Aktivitäten finden werden.