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Mehr Nachhaltigkeit durch
Digitalisierung

 

Höhere Effizienz bei geringerem Kostenaufwand: Die ökonomischen Chancen der Digitalisierung sind in den Unternehmen angekommen. Doch nutzen die Unternehmen ihre Digitalisierungsprozesse auch, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verbessern? NetPolitik befragt die Wissenschaft und zeigt auf, wie ökologisches und klimafreundliches Handeln bei NetCologne umgesetzt wird?

Dr. Grischa Beier, Leiter der Forschungsgruppe „Digitalisierung & Nachhaltigkeit” am Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS) in Potsdam erforscht, wie sich Nachhaltigkeitsauswirkungen durch die Digitalisierung der Wirtschaft ergeben. Besonders das Konzept Industrie 4.0, das eine fast vollständige digitale Vernetzung im Bereich der produzierenden Industrie beschreibt, untersucht das IASS eingehend.

Hier einige wichtige Erkenntnisse: „Wir haben zwar vereinzelte Ansätze ausgemacht, aber keine breite Anwendung oder gar einen Automatismus für Ressourceneffizienz durch Industrie 4.0 entdecken können“, erklärt der Wissenschaftler des IASS. Im Rahmen der Studie wurden auch die Erwartungen unterschiedlicher Länder bezüglich der Auswirkungen einer digitalisierten Wirtschaft auf eine umweltfreundlichere Produktion untersucht. „Hier zeigt die Analyse politischer Strategien, dass Parameter ökologischer Nachhaltigkeit, beispielsweise eine energie- und ressourceneffiziente Produktion, oft bestenfalls mitgedacht werden, diese aber nicht im Fokus stehen“, führt der Wissenschaftler aus.

Im Bereich der Informationsflüsse sieht das Institut in der digitalen Vernetzung eine Möglichkeit, die Umweltauswirkungen von Unternehmensaktivitäten entlang der Wertschöpfungskette durchgängig zu erfassen und transparent zu machen – nicht nur intern, sondern auch für externe Dienstleister und auch für Kunden. „Eine derart verbesserte Datenlage hilft nicht nur der Transparenz, sondern kann Berechnungen des ökologischen Fußabdrucks verbessern und damit die Entwicklung neuer ressourcenschonenderer Produkte unterstützen“, erklärt Dr. Beier.

Einen wichtigen Faktor in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft nimmt der Energieverbrauch ein. Hier bestünden laut IASS interessante Einsparmöglichkeiten. „In der Robotik wird beispielsweise daran gearbeitet, dass Roboter Aktionen nicht wie bisher so schnell wie möglich, sondern nur so schnell wie nötig durchführen“, beschreibt Dr. Beier. Dieser Ansatz konnte in einer Untersuchung Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent erzielen.

„Im Bereich Energieverbrauch durch digitale Technologien und auch in Rechenzentren sind in den letzten Jahren erhebliche Effizienzsteigerungen erzielt worden. Diese werden aber leider durch deren immer weiter zunehmende Nutzung überkompensiert“, sagt der Wissenschaftler. Ein erster wichtiger Impuls, um den wachsenden Energieverbrauch dennoch umweltverträglicher zu gestalten, seien maßgeblich die selbst gesteckten Ziele von Unternehmen, zukünftig 100 Prozent erneuerbare Energie zu nutzen. Dies gilt insbesondere, wenn die Unternehmen selbst erneuerbaren Strom erzeugen.

Die Realisierung von nachhaltigem Handeln und die Vermeidung negativer Feedbacks, sogenannter Rebound-Effekte, hängen laut Dr. Beier auch von der Schaffung adäquater Anreize, von Rahmenbedingungen und Verpflichtungen seitens der Politik ab. „Aus den Debatten zu nachhaltigerem Wirtschaftsgebaren sind drei Ansätze bekannt, an denen auch ökologischere Digitalisierung orientiert werden sollte, nämlich Effizienz, Konsistenz und Suffizienz“, resümiert der Forscher des IASS. Das heißt: eine ergiebigere Nutzung von Materie und Energie, der Einsatz naturverträglicher Technologien, welche die Stoffe und die Leistungen der Ökosysteme nutzen, ohne sie zu zerstören, und weniger Ressourcenverbrauch durch eine Verringerung der Nachfrage nach Gütern.