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„Ein Digitalminister wäre sinnvoll“

Der Verband der Internetwirtschaft, eco, feiert 25-jähriges Bestehen. Hauptgeschäftsführer Harald Summa zieht Bilanz.

Ursprünglich nannte sich der Verein „Freunde des Internets“. Das war Anfang der Neunzigerjahre, als Harald Summa mit anderen Technologiepionieren die Idee zu einer Internetvereinigung entwickelte. Damals wurde das World Wide Web von den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft als „ganz nett, aber wenig sinnstiftend“ eingestuft, erinnert sich das Gründungsmitglied.

Mittlerweile ist der eco (das Electronic Commerce Forum) mit über 1 100 Mitgliedern zum größten Verband der Internetwirtschaft in Europa avanciert. Seit seiner offiziellen Gründung 1995 leistete der Verband einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung des Internets in Deutschland, förderte den Aufbau digitaler Infrastrukturen und trieb die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür voran. „Ich bin sehr stolz darauf, dass es uns über mehrere Legislaturperioden gelungen ist, die Politik an das Thema heranzuführen“, sagt der Unternehmer.

Zu den grundlegenden Meilensteinen gehört das erste Digitalgesetz von 1998. Es legte u. a. den Verantwortungsbereich der Dienstleister in der Telekommunikation fest. „Das Gesetz bewirkt, dass heutzutage nicht die Provider für illegale und rechtswidrige Inhalte verantwortlich sind, sondern diejenigen, die die Inhalte ins Netz stellen“, erklärt der eco-Hauptgeschäftsführer. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einführung des DE-CIX in Frankfurt, des weltweit größten Datenaustauschknotens, der von der DE-CIX Management GmbH, einer hundertprozentigen Tochter des eco-Verbands, betrieben wird. „Der eco-Verband gestaltet das Internet und nimmt seit 25 Jahren starken Einfluss darauf, wie sich der Netzausbau hierzulande entwickelt“, sagt der eco-Chef.

Netz mit Verantwortung

Welche Verantwortung dem digitalen Netz zukommt, wird gerade in Krisenzeiten wie dieser deutlich. „Die digitale Kommunikation ist so etwas wie die Aorta der Gesellschaft“, erläutert Summa. „Ohne die digitalen Infrastrukturen könnten wir nicht kommunizieren und den Restbestand an Wirtschaft aufrechterhalten.“ Auf der anderen Seite macht die Corona-Krise deutlich, wo sich in Deutschland Lücken in der Digitalisierung auftun. „Wir diskutieren seit rund zehn Jahren, Schulen ans Netz zu bringen. Hätten wir dieses Vorhaben ernst genommen, könnten wir jetzt digital unterrichten“, gibt der Internetexperte zu bedenken. Seiner Ansicht nach habe es am Umsetzungswillen gefehlt. „Jetzt stehen wir unter Zeitdruck und merken, wie wichtig diese Themen sind.“ Sein Appell: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in blinden Aktionismus verfallen, sondern die Digitalisierung sinnvoll umsetzen. Die Grundlagen dazu haben wir.“ Neben dem Ausbau der Schulen hält er die Netze des Bundes und der Länder für modernisierungsbedürftig. „Die Netze sind vor rund 20 Jahren gebaut worden. Man sollte den Mut haben, die Netze auf den neuesten Stand der Technik zu heben“, rät Summa. „Auch ein Digitalminister wäre sinnvoll, der alle Ressourcen in einem Ministerium bündelt und koordiniert.“

Blick in die Zukunft

„Netzbetreiber müssen Rechts- und Planungssicherheiten erhalten. Außerdem sollten neue Technologien auf dem Markt wettbewerbsfähig angeboten und nachgefragt werden. Wir benötigen offene Märkte, um 5G, Glasfasernetze und Rechenzentren ausbauen zu können. Sie sind die Schlagadern, deren Potenzial voll ausgeschöpft werden muss.“

Dabei nehmen Telekommunikationsunternehmen wie NetCologne einen wichtigen Platz ein. „Die regionalen Anbieter haben erkannt, welche Rolle sie im Wettbewerb zu den großen Carriern spielen“, sagt Summa. „Ich sehe sogar, dass bei einer Zusammenarbeit der einzelnen regionalen Netzbetreiber diese in Zukunft auch bundes- oder europaweite Alternativen zu den großen Playern darstellen können. NetCologne muss nicht nur in Köln agieren, sondern könnte im Verbund in ganz Deutschland aktiv werden.“

Empfehlungen an die Politik

„Wir brauchen den Staat und eine Regulierung der Marktentwicklung mit Augenmaß. Gleichzeitig benötigen wir rechtliche Rahmenbedingungen, die zugleich die persönlichen Grundrechte der Menschen schützt, ohne innovative Geschäftsfelder zu blockieren“, fordert der Verbandschef.

Wichtig sei auch die Befähigung der Menschen, souverän im Netz handeln zu können, sowie die Formulierung ethischer Grundwerte. „Künstliche Intelligenz birgt das Problem, dass sie so wenig Transparenz bietet und man nicht weiß, was die Algorithmen machen. Wir müssen aber nachvollziehen können, welcher Nutzen aus diesen Technologien für uns entsteht.“