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Ein Auge auf dem „Second Screen“

Nur auf einen Bildschirm zu gucken, ist out: Gerade bei Jüngeren gehört der „Second Screen“ beim Fernsehen fast schon zum guten Ton. Die gleichzeitige Nutzung mehrerer Medien – zum Beispiel TV und Smartphone – greift immer weiter um sich. Ein Trend, auf den sich Medienmacher einzustellen versuchen.

In den USA nutzen angeblich bereits über 60 Prozent der Fernsehzuschauer parallel Smartphone oder Tablet. Etwa bei Quizsendungen: Die Zuschauer raten mit, und recherchieren im Web, wenn sie eine Antwort nicht parat haben. Hierzulande, das belegen die ARD/ZDF-Onlinestudien der vergangenen Jahre, ist dieses sogenannte „SocialTV“ derzeit noch nicht so verbreitet. Doch vor allem bei Jüngeren wird es immer beliebter.

Parallelnutzung oder Second Screen?
Die Vermarktungsgesellschaft IP Deutschland, eine RTL-Tochter, hat dazu eine Studie erstellt. Sie unterscheidet zwischen „Parallelnutzung“ (gleichzeitige Nutzung mehrerer Medien, deren Inhalte jedoch in keinem Zusammenhang zueinander stehen) und echtem Second Screen (dabei hat das zweite Medium einen TV- oder Formatbezug). Laut IP zählen 28 Prozent der Deutschen zumindest zu den gelegentlichen Parallelnutzern, weitere elf Prozent zu den Second-Screen-Usern, die sich während des Fernsehguckens mit anderen austauschen.

Sechs verschiedenen Nutzertypen
Gestützt auf eine Umfrage unter fast 1.700 Second-Screen-Usern identifizierte IP sechs Nutzerprofile:

  • Der Begeisterte will Teil der öffentlichen Meinung sein. Er äußert sich vor allem auf den Online-Plattformen der Sender, macht etwa bei Votings mit.
  • Der Kommunikator ist eher emotional als rational. Er nutzt für seine Kommentare weniger TV-eigene Angebote, sondern lieber Social-Media-Kanäle.
  • Der Überbrücker zappt nicht gern und nutzt den Second Screen, um jene Teile einer Sendung zu überbrücken, die ihn nicht interessieren.
  • Der Wissenssammler verwendet den Second Screen zur Recherche und sucht beim Fernsehen Zusatzfakten zum Gesehenen.
  • Der Gemeinschaftssuchende freut oder ärgert sich beim Fernsehen lieber zusammen mit anderen. In dieser Gruppe finden sich viele Jugendliche.
  • Der Gelegenheitsnutzer ist oft älter. Er nutzt den Second Screen, ähnlich wie der Überbrücker, um uninteressante Programmteile zu überspringen.

Suchmaschinen und Social Media sind Favoriten
Besonders beliebte TV-Sendungen für Second-Screen-Nutzern sind Quizshows, Musik- und Politsendungen, Soaps und Kochsendungen. Dazu nutzen sie häufig Suchmaschinen und Social Media, danach folgen die Webseiten und Apps der Sender.

Wo man SocialTV ausprobieren kann
Zu vielen TV-Sendungen findet der Online-Austausch ganz einfach über Twitter und/oder Facebook statt. Einige Sender haben auch eigene Internetseiten eingerichtet, zum Beispiel ProSieben Connect oder Sat 1 Connect. Schließlich gibt es zahlreiche SocialTV-Apps, zum Beispiel Couchfunk, Miso, WyWy, Zeebox, GetGlue oder yap.TV – am besten einfach einmal selbst im Web nachschauen.

Großes Interesse der Fernsehmacher
Fernsehmacher beobachten SocialTV inzwischen mit großer Aufmerksamkeit. Kein Wunder: Immerhin gelten Second-Screen-User als sendertreu, sie zappen nicht so schnell auf einem anderen Kanal. Außerdem, so behauptet die oben erwähnte IP-Untersuchung, behalten sie Werbung länger im Kopf – in diesem Punkt kamen allerdings frühere Studien zum gegenteiligen Ergebnis.