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Die Welt spricht IP

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Deutschland droht bei All-IP ins Hintertreffen zu geraten. Im EU-Vergleich schneidet die Industrienation eher bescheiden ab (siehe Chart) und rangiert im Keller eines Rankings zu Voice over IP. Einen der Gründe kennt Ivan Andric, Gruppenleiter Strategisches Marketing & Salessupport bei NetCologne: „Andere Länder haben den Umweg über ISDN erst gar nicht genommen.“ Gerade in Osteuropa oder den baltischen Staaten habe man nach der Wende direkt in moderne Infrastruktur investiert. Hinzu kommt die Technologiehistorie. ISDN ist gewissermaßen eine deutsche Erfindung. Zwar nannte sich der 1993 eingeführte Standard Euro-ISDN, doch geht dieser auf einen Vorreiter der Deutschen Bundespost von 1989 zurück, das „nationale ISDN“. Vielleicht herrscht deshalb hierzulande eine gewisse Tendenz, an dem festzuhalten, was man selbst entwickelt und jahrzehntelang als Leittechnologie propagiert hat.

ERSATZTEILE KAUM NOCH VERFÜGBAR  UND TEUER
Fakt ist indes: „ISDN ist alt, VoIP ist Weltmarkt“, stellt Ivan Andric unmissverständlich klar. Das bedeutet unter anderem, dass ISDN-Module, -Karten, -Anlagen oder -Telefone kaum mehr produziert werden – höchstens noch von vergleichsweise teuren europäischen Herstellern auf dem technischen Niveau von gestern. „Firmen wie Siemens, Alcatel, Lucent, Nokia oder Bosch gibt es in diesem Bereich gar nicht mehr“, erklärt Andric. Die neuen Größen auf dem Weltmarkt für Telekommunikationsausrüstung heißen Huawei und ZTE und kommen aus China, ISDN spielt in deren Produktportfolio keine Rolle mehr.

TK-Experte Ivan Andric rät aus den genannten Gründen dazu, sich aus der Abhängigkeit von einer veralteten Technologie zu befreien und warnt eindringlich davor, „Museumsreifes“ einzukaufen. „Das ist wie mit meinem alten Röhren-Fernseher“, zieht Andric einen anschaulichen Vergleich: „Irgendwann musste ich mich schweren Herzens doch von ihm trennen, um mit einem neuen Gerät HD empfangen zu können.“

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