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„Keine Abzocke mit der
Digitalisierung!“

Hanf 3

Rundfunkanbieter, Kabelnetzbetreiber und Geräteherstel- ler – sie alle drängen vehement auf die Digitalisierung des Fernsehens und eine baldige Abschaltung des „alten“ analogen TV. Auch NetCologne-Geschäftsführer Werner Hanf, doch er fordert: „Die Digitalisierung darf nicht auf Kosten des Kunden passieren.“ Das digitale Fernsehen biete viele neue Möglichkeiten, es dürfe nicht zur „Optimierung von Geschäftsmodellen“ missbraucht werden.

Rundfunkanbieter wollen verschlüsselte Einspeisung
So ist der aktuelle Stand: Im analogen Kabel sind die Programme der großen privaten Sender frei und ohne Zusatzkosten zu empfangen. Anders sieht es digital aus: Hier fordern die privaten Rundfunkanbieter, dass ihre Programme generell nur grundverschlüsselt eingespeist werden dürfen. Dafür soll der Kabelnetzbetreiber pro Kunde eine Gebühr an den Programmanbieter zahlen – und es ist ganz klar, dass diese an die Kunden weitergegeben werden müsste.

„Das ist ein Abzockmodell“
Davon hält Werner Hanf (oben) nichts. „Dieses Vorgehen ist ein Abzockmodell und wenig kundenfreundlich“, sagt er. „Für Kunden ist schwer zu verstehen, warum sie identische Inhalte, die sie im analogen Kabel kostenlos bekommen, im digitalen Kabel bezahlen müssen. Warum sollen sie dann zum digitalen Fernsehen wechseln?“

Wechselbereitschaft der Kunden erhöhen
Er plädiert dafür, kostenlose und frei empfangbare analoge TV-Inhalte bis auf weiteres auch im digitalen Kabel zu verbreiten. Ein Verzicht auf die Grundverschlüsselung erhöhe die Wechselbereitschaft der Kunden von analog zu digital. Davon profitiere letztlich auch die Unterhaltungsindustrie, die ihre Geräte mit digitaler Empfangstechnik besser vermarkten könne. Werner Hanf setzt zudem auf die technischen Möglichkeiten des digitalen Kabels, mit dem neue, hochwertige Formate wie interaktives TV oder Video-on-Demand realisiert werden können. Schon dies, so Hanf, eröffne Sendern und Kabelnetzbetreibern neue Vermarktungsmöglichkeiten.

Digitalisierung darf kein Erlösmodell werden
„Die Digitalisierung“, sagt Werner Hanf, „darf nicht dazu dienen, Geschäftsmodelle zu optimieren.“ Die Struktur des deutschen Fernsehens mit öffentlich-rechtlichen und privaten werbefinanzierten Sendern habe hierzulande zu einem im internationalen Vergleich sehr hochwertigen Free-TV-Angebot geführt. Mancher ausländische Finanzinvestor sei daher der Ansicht, dass Fernsehen in Deutschland zu „billig“ sei. Darum bestehe die Gefahr, dass im Zuge der Digitalisierung immer mehr attraktive Free-TV-Inhalte ins digitale und bezahlte Programmangebot verschoben würden. Hanf: „Das wird zwar nicht offen kommuniziert, aber dadurch begründet sich die Forderung nach einer möglichst schnellen ‚Zwangsdigitalisierung’ und Abschaltung des analogen Kabelfernsehens.“

Möglichst lange Übergangsphase
Die mittelständischen Kabelnetzbetreiber, sagt Werner Hanf, werden sich dieser Entwicklung nicht anschließen. Sie wollen alle Inhalte, die jetzt analog frei empfangbar sind, in einer möglichst langen Übergangsphase im sogenannten „Simulcast-Betrieb“ sowohl analog als auch digital einspeisen. Vom neuen digitalen Fernsehen will man die Kunden hingegen durch zusätzliche Angebote überzeugen, zum Beispiel durch neue Formate und superscharfe Bilder im HDTV-Format.